Erneuerbare statt Atom – Regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien, Vortrag von Bene Müller in Frickingen am 14. März 2011

Bene Müller, solarcomplex AG

Bene Müller, solarcomplex AG

20 Uhr, Lagerhäusle Altheim

Anstatt über teure und riskante Importe von Öl, Gas, Uran und Kohle Milliardenbeträge ins Ausland abfließen zu lassen, plädiert Bene Müller für eine Energieversorgung mit heimischen Energien. Er ist Mitbegründer und Vorstand des regionalen Bürgerunternehmens  solarcomplex AG.  Deren Ziel ist es, bis 2030 die Region weitgehend auf erneuerbare Energien umzustellen.

Zum Vortrag von Bene Müller…

Was vor 20 Jahren von Pionieren und Überzeugungstätern, Tüftlern und Bastlern auf den Weg gebracht wurde, ist heute eine bedeutende Wirtschaftsbranche geworden, in der zwischen 300 und 400.000 Menschen arbeiten, die Erneuerbaren Energien in Deutschland. Vor allem im Strombereich ist der Anteil erneuerbarer Energien rasant gestiegen, bezogen auf 1990 etwa eine Verfünffachung, seit Einführung des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) im Jahr 2000 etwa eine Verdreifachung.


Mit dem Entstehen einer regenerativen Energiewirtschaft wird nicht nur ein rasch wachsender Anteil des deutschen Stroms auf nachhaltige und klimaschonende Weise bereitstellt, sondern es hat ein fundamentaler Wandel der Akteursbasis stattgefunden. Die Grenzen zwischen Energieerzeugern und Energiekonsumenten verschwimmen, der bisherige Umbau der deutschen Energieversorgung wurde im Rückblick von Hundert-tausenden privaten Investoren bewerkstelligt. Einzelne Bürger, Bürgergenossenschaften, mittelständische Betriebe und regionale Energieversorger – in dieser Reihenfolge traten die Akteure auf den Plan.


Wurden die Potentiale und technischen Möglichkeiten erneuerbarer Energien von der konventionellen Energiewirtschaft in der Vergangenheit konsequent kleingeredet, steht angesichts der unübersehbaren Ausbaudynamik nun eine Systemfrage und damit eine grundlegende Weichenstellung an: regenerativ gegen fossil-atomar, dezentral gegen zentral, klein gegen groß. Man kann sich dabei des Eindrucks nicht erwehren, daß die Politik die Machtposition insbesondere der vier großen Energiekonzerne unterstützt. Daß die „Vier Besatzungsmächte“ ihre zentralistisch organisierte Verteilstruktur erhalten wollen und daher auch im regenerativen Zeitalter auf große Erzeugungsstrukturen setzen, ist aus deren Sicht durchaus nachvollziehbar, Stichworte Desertec und Offshore-Windparks. Gegenstand der gesellschaftlichen Diskussion und Auseinandersetzung wird es aber sein, ob dieser Dominanzanspruch sich durchsetzt oder ob mit der Ablösung der fossil-atomaren Energieträger auch die Veränderung der Energiestrukturen gelingt.


Referent Bene Müller ist der Meinung, daß alle Versuche, die längst in Gang gekommene Energiewende rückgängig zu machen, scheitern werden, da weder ökonomische noch ökologische Gründe das Vorgehen von Politik und Energiekonzernen stützen. Er empfiehlt, die Diskussion weniger mit ökologischen, sondern im Wesentlichen mit regionalwirtschaftlichen Argumenten zu führen und wird auf diesen Aspekt näher eingehen.


Die Energiekosten welche die deutsche Volkswirtschaft für den Import von Öl, Gas und Kohle ausgibt sind immens. Es geht um viele Milliarden Euro jährlich. Diese Geldströme fliessen ab, es geht Kaufkraft und damit Wohlstand verloren. Bei einer Versorgung mit heimischen Energien wie Sonne, Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme bleiben die Energiekosten weitgehend erhalten und stehen als Kaufkraft vor Ort zur Verfügung.


Auch stellt der Umbau der Energieversorgung auf dezentrale, regenerative Energieanlagen ein bedeutendes Wirtschaftsförderprogramm fürs regionale Handwerk dar, hier werden Umsätze und Beschäftigung erzeugt. Am Beispiel des Landkreises Konstanz wird der Referent mit konkreten Zahlen aufzeigen, wie groß diese positiven regionalwirtschaftlichen Aspekte sind. Auch das Konzept der Bioenergiedörfer wird vorgestellt, fünf hat solarcomplex in Betrieb, vier weitere in Planung. Im ländlichen Raum ist die regenerative Vollversorgung zeitnah möglich, mehr noch, dort werden zukünftig diejenigen energetischen Überschüsse erzeugt, welche zur Versorgung der Ballungszentren aus regenerativen Energien nötig sind.


Zum Referenten:

Bene Müller ist einer von ehemals 20 Gründungsgesellschaftern und heute einer der beiden Vorstände der solarcomplex AG. Das regionale Bürgerunternehmen hat sich den Umbau der Energieversorgung am Bodensee weitgehend auf erneuerbare Energien bis 2030 zum Ziel gesetzt und sieht sich als ersten regenerativen Regionalversorger. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat sich die Zahl der Gesellschafter auf über 700 und das Grundkapital auf 5 Mio Euro erhöht, beteiligt sind neben zahlreichen Privatpersonen auch kleine  und mittlere Unternehmen und bereits fünf Stadtwerke.

Realisiert wurden bisher über 16 Megawatt Solarkraftwerke als Dachanlagen und Freiland-Solarparks, ein Wasserkraftwerk und eine Windkraftanlage, mehrere Biogasanlagen sowie fünf Bioenergiedörfer und etliche Holzenergieanlagen im Leistungsbereich bis 2 MW. Das Investitionsvolumen aller bisherigen Projekte beträgt rund 70 Mio €, allein 2011 kommen rund 20 Mio € hinzu.

Seit 2007 firmiert solarcomplex als nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft und bietet Bürgern die Kapitalbeteiligung über neu ausgegebene Aktien sowie Genussrechtskapital „mit sonnigen 4% Zins“ an. Weitere Infos: www.solarcomplex.de